Was passiert eigentlich in der Zeit nach Corona?

Die derzeitige Krise ist Auslöser und Multiplikator einer ganzen Bandbreite von Entwicklungen. Im folgenden fokussieren wir uns auf drei Trends, von denen wir annehmen, dass sie die deutsche Wirtschaft am ehesten nachhaltig prägen werden.

  1. Bereits heute wird deutlich, dass Firmen in Europa ihre Abhängigkeit von Lieferanten in Asien reduzieren und ihre Lieferketten und Produktionsstandorte wieder verstärkt in Europa ansiedeln wollen. Besonders bei strategisch relevanten Branchen wird dies zusätzlich von vielen europäischen Regierungen forciert. Dies stellt vor allem eine große Chance für Osteuropa dar – vorausgesetzt, der auch dort herr­schende Fachkräftemangel kommt dem nicht in die Quere. Mittelfristig hat der Trend das Potential, den Exportanteil vieler Firmen zu erhöhen.
  2. Ein weiterer Trend ist der Angebotsüberschuss auf dem globalen Energiemarkt. Besonders problematisch daran ist, dass die davon am stärksten betroffenen Öl- und Gasproduzenten wichtige Exportmärkte Deutschlands sind. Auf der anderen Seite kann das billige Öl in rohstoffarmen Ländern den wirtschaftlichen Aufschwung nach der Krise befeuern. Davon wird auch Deutschland profitieren. In den besonders vom „schwarzen Gold“ abhängigen Volkswirtschaften – wie z.B. den Golfstaaten und Rußland – wird der Trend womöglich weiter den Druck erhöhen, sich stärker zu diversifizieren. Dies er­öffnet der deutschen Wirtschaft neue Absatzchancen.
  3. Die Akzeptanz und Verbreitung von Home-Office und den IT-Tools, die dies ermöglichen, wird einen deutlichen Schub erhalten. Insofern kann die Krise – so schlimm sie viele Menschen und Unternehmen auch trifft – zugleich als eine Chance gesehen werden, sich dort, wo es sinnvoll ist, verstärkt mit neuen digitalen Lösungen vertraut zu machen, die auch langfristig und über den reinen Produktivitätszuwachs hinaus merklichen Nutzen stiften. Zudem könnte die aktuelle Krise endlich den Impuls für eine gesamteuropäische, digitale Infrastruktur geben, die Europas digitale Abhängigkeit von den USA und China nachhaltig reduziert und dem europäischen Anspruch an den Datenschutz gerecht wird.
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